Denkmalschutz: Die historische St.-Petri-Kirche in Rieseby, deren Bau auf Anfang des 13. Jahrhunderts datiert ist, erhielt ein neues Dach. Für alte deutsche Sakralbauten nicht eben typisch, wurde das Mittelschiff in Rechteckdoppeldeckung und der Turm mit Schindeln eingedeckt. Noch bemerkenswerter ist die Materialkombination: hier Schiefer, dort Holz.

Schon mehrfach wurde die St.-Petri-Kirche umgebaut und saniert. Der spätromanische Backsteinbau beherbergt einige Schätze aus der Vergangenheit. So finden sich im Inneren eine Triumphkreuzgruppe, Taufbecken und Kanzel sowie der Altar mit verzierter Eichenholzplatte aus dem 13. Jahrhundert als historische Schätze, die es zu schützen gilt – auch vor der Witterung.

Schief, aber standhaft

Das Sanierungskonzept beinhaltete die Überarbeitung und Erneuerung diverser Bauteile. Neben dem Mauerwerk war auch das Dach wasserdurchlässig. Nach längerer Planung startete das Projekt im Mai 2021.

Der ursprünglich anvisierte Termin zu Jahresbeginn musste aufgrund der Materialknappheit verschoben werden. In zwei Bauabschnitte unterteilte Architekt Filip Fröhler die Arbeiten, wobei mit dem hölzernen Turm aus dem Jahr 1783 begonnen wurde.

Nach dessen Einrüstung und dem Rückbau der vorhandenen Eindeckung wurden Schäden sichtbar, die den Austausch bzw. die Ertüchtigung alter Balken notwendig machten.

Balken, die nach Einschätzung von Zimmermeister Andres Werner 400 Jahre alt sein dürften, mussten ersetzt werden. Die Mitarbeiter der Andres Werner GmbH sanierten den Dachstuhl historisch so getreu wie möglich. Dabei wurde auch nichts daran geändert, dass der Turm schief ist. Untersuchungen und Messungen hatten gezeigt, dass die Standsicherheit nicht beeinträchtigt ist.

Mit Luft, ohne Folie

Als Deckungterlage erhielt der Turm eine Schalung. Um die Langlebigkeit zu sichern, baute die Dachdeckerei Huber aus Eckernförde, Mitglied der Dachdecker-Innung Flensburg, Schleswig u. Eckernförde, keine zusätzliche Maßnahme in Form einer Unterdeckbahn ein. Diese Konstruktion soll eine Luftumspülung gewährleisten und somit eine längere Lebensdauer. Die EichenholzSchindeldeckung erfolgte 3-lagig bei 9 cm Reihenabstand (sichtbarer Aufzug) nach DIN 68119. „Das sind nicht alltägliche und tolle Arbeiten“, erläutert der Geschäftsführer der Dachdeckerei Huber, Gunnar Ellermann. „Die Gratdeckung mussten wir verproben, bevor die endgültige Ausführung feststand.

So konnten wir aber sichergehen, die erforderlichen Überdeckungen einzuhalten. Holzschindeln sind ja heutzutage ein eher seltenes Deckmaterial“. Etwa 24.900 Schindeln fanden ihren Platz, das entspricht 747 m² Schindeloberfläche oder 7,47 km Schindelband, wenn man sie aneinanderreiht. In Bauabschnitt 2 hatten die Dachdecker „gewöhnlicheres“ Material in Händen. Auch am Mittelschiff wurde erst die Unterkonstruktion geprüft und teilweise erneuert, bevor die Huber GmbH die Eindeckung aus Schiefer fertigte. Diese wurde mit Rechteckern der Größe 60/30 in Doppeldeckung ausgeführt.

(Quelle: DD/H Das Dachdecker-Handwerk 1.2022)

Objekt: St.-Petri-Kirche, Rieseby
Bauherr: Ev.-Luth. Kirchenkreis Rendsburg-Eckernförde
Architekt: FFArchitekten Filip Fröhler, Eckernförde

Betriebe: Dachdeckerei Huber GmbH, Eckernförde, Mitglied Dachdecker-Innung Flensburg, Schleswig u. Eckernförde
Zimmerei Andres Werner GmbH, Rieseby, Mitglied der Innung des Baugewerbes Eckernförde – Kiel – Plön

Material: gespaltene Eichenschindeln, keilig geputzt, Stutzeck-Sonderform, 30 cm, Schindelheimat Harald Rapold, Bad Reichenhall Schiefer 60/30, Rathscheck, Mayen

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